Search HP

Wer in die Rottaler Kulturlandschaft ankommt, erkennt schnell die Vielfältigkeit des Gebiets: Steile Hänge, weite Felder, waldbestandene Plateaus, kleinräumige Tälchen und da und dort Felswände, Lehmgruben, ehemalige Steinbrüche und kleine Kiesgruben. Diese «geologischen Fenster» eröffnen interessante Einblicke in die Böden und den Untergrund dieser traditionellen Kulturlandschaft. Bis heute wird sie auch von mäandrierenden Bachläufen, tief eingeschnittenen Hohlwegen und uralten Wegverläufen durchzogen.
 

Lehmgrube

Weiter verraten grobe Steine im Acker, Trockensteinmauern oder Lesesteinhaufen am Wegesrand Details zum Rottaler Terroir. Vereinzelt sind es auch imposante Findlinge, die der Rhonegletscher vor rund 100‘000 Jahren zusammen mit feinerem Material in die Gegend transportierte. Neben Granit, Gneis und Kalk enthält der Untergrund sogar Spuren von Gold. Doch die Gesteinsarten aus den Alpen wurden auf dem Weg in die heutige Rottaler Kulturlandschaft meist sehr stark verkleinert und als Mineraliengemisch abgelagert.

Trockensteinmauer

Wer hier – etwa drei Dutzend Kilometer von den ersten Voralpengipfeln entfernt – Erdproben mit etwas Wasser zwischen die Finger nimmt, wird neben den kleinen, knirschenden Sandkörnern vor allem die samtigen Schluff- oder gar die klebrigen Tonteilchen fühlen. Anderswo in der Gegend sind diese noch in den Molasseschichten eingebettet: In der Oberen Meeresmolasse als Sandstein oder Nagelfluh, in der darunter liegenden Unteren Süsswassermolasse als Mergel. Diese kalkhaltigen Lehmschichten haben ganz unterschiedliche Farben und heissen deshalb auch «Bunte Mergel».

Molasse bei Ludligen

Auf den Mergel- und Sandsteinschichten lagern stellenweise bis heute die Grundmoränen des Rhonegletschers mit mehr oder weniger grossen und kantigen Gesteinsbrocken. Darauf dürften einst sogar die Mammuts herumgetrampelt sein. Sie lebten noch während der letzten Eiszeit in der Gegend. Denn damals blieben Rhone- und Reussgletscher am Rand der nördlichen Napfausläufer stehen und brachten nicht neue, kalkhaltige Mineralien ins Gebiet. Deshalb sind hier die Böden rund zehnmal so alt sind wie anderswo im Schweizer Mittelland und oberflächlich oftmals sauer.

Boden bei Eppenwil

In unserer Zeit fallen hier pro Jahr rund 1000 mm Regen, was 1000 Liter leicht saures Wasser pro Quadratmeter entspricht. Abgesehen davon werden die Kalkeinschlüsse und andere Mineralien in den oberflächennahen Erdschichten auch durch den Frost verwittert. Durchschnittlich sind die Temperaturen hier zwar recht mild, aber für Weizen, Reben und andere Sonderkulturen doch etwas zu rau. Deshalb wird hier neben Futtergetreide der anspruchslosere Dinkel angebaut. Aber auch Kunstwiesen, Kartoffeln, Futterrüben, Hochstammobstbäume usw. gedeihen hier bestens. Neben der Tiefgründigkeit der uralten Böden ist auch die Regelmässigkeit der Niederschläge ein Grund dafür: Im Sommer ziehen zusätzliche Gewitter aus Richtung Jura oder Napf heran.

Ellbogenfeld

Bereits die Zisterziensermönche des Klosters St. Urban schätzten die Vorzüge der Region. Mit den Klosterhöfen von St. Urban betrieben sie eine fortschrittliche Landwirtschaft. Dazu gehörte auch das Einrichten von Wässermatten. Die tonhaltigen Böden nutzten sie zur Anlage von Karpfenteichen und aus dem Mergel stellten sie reich verzierte Backsteine her, die sie bis nach Zürich verkauften. Hie und da findet man auf einem gepflügten Feld einen rötlichen, handwerklich gefertigten Backstein oder Ziegel. Diese Artefakte zeugen davon, dass in der Rottaler Kulturlandschaft früh auch der Mensch prägend geworden ist. 

St. Urban
Rottaler Genussfenster

Rottaler Genussfenster, Jurastrasse 41, 4901 Langenthal,
Tel. 062 923 50 83, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


Besuchen Sie uns auch auf

JSN Educare is designed by JoomlaShine.com | powered by JSN Sun Framework